Siedlungsforschung 2004


Archäologie – Geschichte – Geographie, Band 22, 2004

VERLAG SIEDLUNGSFORSCHUNG BONN 2004


Auszug:


Bendelin im Landkreis Prignitz, Brandenburg

Landschaftliche und siedlungshistorischen Einbindung


Die in weiten Teilen Deutschlands nahezu unbekannte Landschaft Prignitz liegt – grob gesehen – in einem Dreieck zwischen den Großstädten Hamburg, Berlin und Magdeburg. Etwas größere Orte sind Wittenberge und Havelberg an der Elbe sowie Pritzwalk und Wittstock. Die flache und nur selten leicht wellige Landschaft liegt abseits größerer Verkehrsachsen und nur im Nordosten verläuft die Autobahn A 24 von Berlin nach Hamburg. Die weiträumige Agrarlandschaft mit größtenteils stark sandhaltigen Böden wird immer wieder untergliedert durch größere und kleinere Waldbezirke mit erheblichen Kieferanteilen, aber auch Laubmischwäldern.

Der hier vorgestellte Ort Bendelin mit derzeit 175 Einwohnern liegt nahezu am Südrand der Prignitz, etwa 15 km von Havelberg entfernt. Es handelt sich um ein Angerdorf mit Verbreiterung des Angers in der Dorfmitte und einer Dorfkirche an dieser Stelle. Planmäßig sind an beiden Seiten der Dorfstraße die ehemaligen Höfe aufgereiht. Ähnliche Dorfbilder finden sich in der Prignitz in großer Zahl. Die folgenden siedlungshistorischen Angaben über Bendelin entstammen der »Chronik von Bendelin«, die als Maschinenskript in der Gemeindeverwaltung vorliegt: Danach gibt es für das Jahr 1431 eine erste urkundliche Nennung und für 1550 sind 14 Hüfner (Bauern) und 8 Kossäten (Besitzer mit wenig Land) genannt. Grundherren der Bauernstellen waren die Herren von Königsmarck, von Saldern sowie das Domkapitel in Havelberg. Zwischen 1802 und 1810 kauften sich sämtliche Bauern im Rahmen der Bauernbefreiung durch »Auskaufgeld« frei und wurden damit endgültig unabhängig von der Grundherrschaft. Bendelin war also – anders als der in Mecklenburg untersuchte Ort Lelkendorf – nie ein Gutsdorf mit dem örtlich landsässigen Adel, sondern ein echtes Bauerndorf, dessen Einwohner allerdings bis zur Bauernbefreiung entsprechende Abgaben und Dienstleistungen zu erbringen hatten. Solche Bauerndörfer haben in der Prignitz eine größere Verbreitung als in Mecklenburg. Daneben bestanden allerdings auch hier Gutsdörfer – wenn auch in weit geringerer Zahl.

Nach der auch hier 1946 durchgeführten Bodenreform kam es 1953 zur Gründung einer LPG mit 12 Mitgliedern und ca. 85 ha Land. Später folgten Vergrößerungen und Zusammenschlüssen mit Nachbargemeinden. Daneben bestanden allerdings bis zur endgültigen Zwangskollektivierung um 1960 private bäuerliche Betriebe weiter. Danach bildeten 183 Mitglieder mit 1.109 ha Land die LPG. Einige Landwirte gingen in den Westen. 1974 schloss die Dorfschule. Mit der politischen Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Landwirtschaft reprivatisiert und eine Agrargenossenschaft gegründet. Daneben wirtschaften derzeit ein Landwirt imHaupterwerb und ein weiterer im Nebenerwerb im Ort.

>> weiter