24.09.2013 Der Prignitzer


Das alte Bendeliner Schwimmbad

ist nach den Umbauarbeiten ein wertvolles Biotop für seltene Tierarten geworden. Foto: Jürgen Kaatz

Bendelin | Das kleine Dorf Bendelin ist von einigen Schandflecken befreit und hat zugleich ein Paradies für Frösche und Co erhalten. Beides hängt zusammen mit dem Abriss fünf alter Stallanlagen und des ehemaligen Schwimmbades.

Die untere Naturschutzbehörde des Kreises hatte vor den Abrissarbeiten der Ställe und des Schwimmbades Untersuchungen zum aktuellen Vorkommen geschützter Tierarten in den Bauwerken gefordert und damit im Sommer das Büro "Tierökologische Untersuchungen und Gutachten - Dr. Jürgen Kaatz" aus Dranse beauftragt.

Was dann folgte, war ein ökologischer Paukenschlag: "Im permanenten Restwasser entdeckten wir acht streng geschützte Amphibien- bzw. Reptilienarten wie Seefrösche und deren Entwicklungsstadien sowie diverse Wasserinsekten", sagt Dr. Jürgen Kaatz. Doch das sollte noch nicht alles sein. "Darunter war eine Amphibienart, für die Nachweise in der Prignitz bisher fehlten." Dies sei ein Beweis für den hohen Wert des Standortes.

Unter anderem entdeckten Forscher

diese seltenen Seefrösche. Foto: Jürgen Kaatz

Offenbar habe sich dort im Laufe der Jahre unbemerkt ein Refugium entwickelt, dass höchste Schutzwürdigkeit beansprucht, meint Jürgen Kaatz. Aufgrund dieser außergewöhnlichen Untersuchungsergebnisse veranlasste die untere Naturschutzbehörde des Landkreises eine ökologische Begleitung der Abrissmaßnahmen. Ziel sollte sein, die Artenvielfalt zu erhalten.

Die Schwierigkeit lag darin, die Abriss- und Gestaltungsarbeiten so zu modifizieren und zu organisieren, dass die im Wasser lebenden Amphibien geschont werden,
der Wasserstand des Beckens erhalten bleibt, und trotzdem
ein modifizierter Abriss der hohen Wände des alten Schwimmbades gewährleistet wird, erklärt Kaatz. In mehreren konstruktiven Bauberatungen aller Beteiligten wurde ein Plan entwickelt, wie das zu erreichen ist.

Zunächst wurden in mehreren Fangaktionen die Amphibien im August vorsichtig durch Mitglieder des Vereins Wildtierhilfe Prignitz e.V. geborgen und in einen abgeschlossenen nahen Grabenabschnitt umgesetzt. Anschließend war vor allem die Kunst des Baggerfahrers Sven Hofmann der Plambeck ContraCon gefragt, um die steilen Beton-Beckenwände von außen etagenweise so abzutragen, dass dabei der abdichtende Boden des Schwimmbades durch Rissbildungen nicht zerstört wurde.

Dabei wurde zusätzlich der Rand des Schwimmbeckens so gestaltet, dass er zum Beispiel den streng geschützten Molcharten zukünftig durch Geröll Versteck- und Überwinterungsquartiere bietet, erklärt Kaatz. Hierbei war nicht nur hohes handwerkliches Können, sondern auch Interesse an der Sache vom Baggerfahrer gefragt. "Beides gelang meisterlich", dankt er Sven Hoffmann. Abschließend wurde das Gelände um das ehemalige Schwimmbad neu profiliert, ein zusätzlicher ökologischer Verbindungsweg zu einer wechselfeuchten Bodenmulde wurde geschaffen.

Mittlerweile sind die Arbeiten abgeschlossen. Die Gefahr, dass Spaziergänger mehrere Meter tief in das frühere Schwimmbecken hineinstürzen könnten, sei gebannt. Auch von den ruinösen Schweineställen, in denen nur wenige Niststätten geschützter Vogelarten gefunden wurden, ist nichts mehr zu sehen. Die Arbeiten sind eine vorgezogene Ausgleichsmaßnahme für den Bau von Windkraftanlagen im Bereich Görike-Söllenthin.

Aus Sicht aller Beteiligten sei die Aktion ein Erfolg. Die PNE Wind AG Cuxhaven und ihr Tochterunternehmen Plambeck ContraCon, die Gemeinde Bendelin und der Landkreis hätten kons truktiv zusammengearbeitet. "Ein Totalabriss des alten Schwimmbades hätte katastrophale Folgen für den artenreichen Amphibienbestand gehabt. Der spezifische Lebensraum und die Vermehrungsstätte wären unwiederbringlich zerstört worden", sagt Dr. Kaatz. So aber sei es gelungen, den Amphibienlebensraum dauerhaft zu erhalten. Vielleicht finden ja zukünftig auch die Störche Gefallen daran und brüten in Bendelin wieder erfolgreich, hofft Jürgen Kaatz.